Auch wenn es ein weitverbreitetes Gerücht ist, dass Kinder eine zweite Sprache schneller und effektiver lernen, haben Forschungsergebnisse gezeigt, dass dasselbe auch für Erwachsenen gilt, wenn gewisse Voraussetzungen gegeben sind. Es hat sich gezeigt, dass es im Alter keine physiologischen Einschränkungen gibt, welche die Leistungsfähigkeit zum Erlernen einer Sprache einschränken. Dies widerspricht auch der weitverbreiteten Annahme, dass der Reifungsprozess dafür sorgt, dass ältere Sprachschüler anders „funktionieren“ als jüngere.

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Dies soll allerdings auch nicht heißen, dass jüngere und ältere Sprachschüler eine Sprache auf exakt dem gleichen Weg erwerben. Jede Phase des Lebens hat gewisse Vor- und Nachteile, was auch für den Erwerb einer Fremdsprache gilt. Ältere Sprachschüler können beispielsweise von dem Wissen profitieren, das sie nicht unbedingt über Sprachen, aber an Lebenserfahrung gewonnen haben. Sie können sich Regeln zur Grammatik, Aussprache und Schreibweise einer Sprache ohne Probleme einprägen und sogar Besonderheiten analysieren und verstehen. Kinder haben den Vorteil, dass sie sich nicht davor fürchten, beim Sprechen einer neuen Sprache Fehler zu machen. Wie vielleicht bekannt ist, wird eine Sprache hauptsächlich durch das Ausprobieren in der Praxis erlernt. Eine gewisse Unbeschwertheit, welche unter Kinder weit verbreitet ist und die man in Erwachsenen eher selten findet, spielt eine entscheidende Rolle beim Lernen einer Fremdsprache. Durch Fehler beim Anwenden der Sprache bilden Kinder unbewusst ihre Grammatik- und Sprachkenntnisse. Da Kinder nicht so schnell peinlich berührt sind wie Erwachsene, stört es sie nicht, wenn sie beim Sprechen unzählige Fehler machen. Im Vergleich dazu fühlt sich ein Erwachsener bereits beim dritten oder vierten Fehler schlecht. Dies hat zur Konsequenz, dass sie Sätze zunächst im Kopf formen und darüber nachdenken, was sie als nächsten sagen, anstatt frei und unbeschämt loszureden. Im Endeffekt führt dies dazu, dass Erwachsene weniger in der Fremdsprache reden, um Fehler zu vermeiden.

Darüber hinaus haben jüngere Sprachschüler Vorteile beim Lernen der Aussprache. Wie die Erwachsenen haben sie zunächst auch einen Akzent, wenn sie die neu erworbene Sprache sprechen. Jedoch sind sie offener dafür, mit fremden Lauten und Tonsequenzen zu experimentieren, welche dann in das Laute-Spektrum ihrer Muttersprache integriert werden. Erwachsene dahingegen haben ein gut verwurzeltes phonologisches System, sodass es ihnen schwerer fällt, neue Laute, welche in der Muttersprache nicht enthalten sind, aufzunehmen. Aufgrund dieses Zusammenhanges kann man in Kindern eher sehen, dass sie eine Aussprache ähnlich den Muttersprachlern entwickeln, wobei man dies unter Erwachsenen nur ganz vereinzelt findet.

Abgesehen von diesen Unterschieden gibt es keine Anzeichen, die belegen würden, dass es physiologische Unterschiede im Sprachenerwerb zwischen Kindern und Erwachsenen gibt. Das Gegenteil ist der Fall – es gibt kein Alter, in dem die Fähigkeit, eine Fremdsprache zu lernen, nachlässt. Studien von Sprachwissenschaftlern haben gezeigt, dass ältere und jüngere Sprachschüler, die unter ähnlichen Bedingungen lernen, ähnliche Fehler machen. Dies zeigt, dass sowohl Erwachsene als auch Kinder ähnliche kognitive Prozesse benutzen, um eine neue Sprache zu erlernen.

Sollte sie ihr Alter bisher am Lernen einer neuen Sprache gehindert haben, dann ist dieses Argument hiermit nun entkräftet. Eine Vielzahl an Sprachkursen wird auch speziell für Erwachsene oder Senioren angeboten, um für die Sprachschüler ein angenehmes Lernumfeld zu schaffen. Dasselbe gilt auch für sogenannte Sprachreisen. Hier können sie das Erlernen einer Sprache mit einer Städtereise oder Fernreise verbinden. Denken Sie gerade an New York oder aber an das Outback Australiens? Beides ist möglich! Es gibt eine Vielzahl von Angeboten für Sprachreisen in die USA oder nach Australien. Neu erworbene Sprachkenntnisse können hier direkt in der Praxis angewendet werden. Dies sorgt zudem dafür, dass man ganz anders auf die einheimischen Bewohner des Landes eingehen kann, was einem wiederum die Tür zu ihrer Kultur und ihren Lebensgewohnheiten öffnet. Die Reiseerlebnisse werden dadurch kulturell intensiver erlebt. Außerdem werden durch das Reisen und Lernen in einer Gruppe Gleichaltriger neue Bekanntschaften gefördert, die auch über den Zeitraum der Sprachreise bzw. Sprachkurses hinweg erhalten bleiben können.

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