Zeitmanagement und Senioren – ein Begriffspaar, das sich ausschließt, meinen Sie? – Ein Irrglaube. Zwar besteht die Annahme, dass gerade Senioren doch alle Zeit der Welt haben, nur die schönen Dinge des Lebens genießen können und dabei auch noch völlig entspannt und stressfrei sind. Die Realität jedoch sieht anders aus. Im Alter fallen viele Dinge schwerer, und die alltäglichen Pflichten gilt es dennoch zu meistern. Was einem in jungen Jahren leicht von der Hand ging und meist nach Feierabend noch erledigt worden ist, gelingt plötzlich nur noch unter erhöhtem Zeit- und Energieaufwand. Das liegt in der Natur des Alters. Umso wichtiger ist es für Senioren und deren Angehörige, ein Zeitmanagement zu pflegen, dass den Alltag erleichtert und am Ende des Tages ein gutes Gefühl zurücklässt.

Einige Menschen, auch Senioren, besitzen bereits gute Fähigkeiten, sich die Zeit entsprechend einzuteilen und für Dinge zu reservieren, die getan werden müssen, und für Phasen, die Ruhe und Erholungspausen vorsehen. Manche jedoch müssen sich diese Fähigkeit erst noch aneignen. – Was sich lohnt, denn ein effektives Zeitmanagement birgt viele Vorteile. Zum einen vermittelt es dem Einzelnen ein Gefühl der Kontrolle, die Dinge im Griff zu haben und selbständig zu bleiben – trotz möglicherweise körperlicher Defizite und nachlassender geistiger Fähigkeiten. Zum anderen reduziert ein funktionierendes Zeitmanagement Stress und körperliche Erschöpfung. Außerdem hilft es, die Ziele, die man sich für den Tag (die Woche) gesetzt hat, auch zu erreichen.

Abgesehen davon, dass Zeitmanagement für Menschen jeden Alters sinnvoll ist, profitieren Senioren doch ganz besonders von einer sinnvollen und strukturierten Zeiteinteilung. Auch für pflegende Angehörige ist ein Zeitmanagement ein wichtiger Schritt in ein friedvolles und harmonisches Miteinander innerhalb der Familie.

Die wichtigsten Punkte, die es zu berücksichtigen gilt, um eine gute Balance von Anstrengung und Erholung zu finden, sind folgende:

  1. Listen führen. Ein guter Zeitmanager erstellt eine Liste dessen, was es an einem einzelnen Tag zu tun gibt, und bringt diese Dinge dann je nach Priorität in eine sinnvolle Reihenfolge.
  2. Verschiedene Aktivitäten verbinden. Bügeln Sie die Wäsche oder räumen Sie die Spülmaschine aus, während Sie sich mit Ihrem Partner angeregt unterhalten.
  3. Sorgen Sie für genügend Erholungsphasen. Senioren benötigen mehr Zeit zur Entspannung und neue Kräfte schöpfen als berufstätige oder jüngere Zeitgenossen.
  4. Halten Sie feste Zeiten für die Mahlzeiten ein. Wichtig ist, dem Körper über den Tag verteilt ausreichend Nahrung und Energie zuzuführen. Zelebrieren Sie daher feste Mahlzeiten und nehmen Sie sich genügend Zeit für deren Zubereitung.
  5. Erledigen Sie die unangenehmsten und schwierigsten Aufgaben zuerst. Morgens sind noch am meisten Energie und Konzentration vorhanden, um anspruchsvolle Dinge erfolgreich zu bewältigen. Ein gutes Gelingen kann auch Ansporn für den weiteren Tagesverlauf sein.
  6. Lernen Sie, langsamer und gelassener zu Werke zu gehen. Das nimmt Ihnen bereits die größten Sorgen, bevor Sie noch mit irgendeiner Tätigkeit beginnen. Schieben Sie ruhig einmal auf, denn: Aufgeschoben ist bekanntlich nicht aufgehoben!

Was Senioren unbedingt vermeiden sollten, ist, sich zu überlasten. Ein gutes Zeitmanagement sieht vor, Grenzen zu setzen und auch mal „Nein“ zu sagen. Senioren müssen nichts mehr „leisten“ im Sinne von verdienen oder beweisen.

Sagen Sie auch mal „Nein“. Schlagen Sie eine Einladung aus, wenn Sie zu müde sind oder sich nicht gut fühlen. Lassen Sie das Telefon klingeln, wenn Sie gerade mit etwas anderem beschäftigt sind, und den Anrufbeantworter seine Pflicht tun.

Vermeiden Sie Perfektionismus. Manchmal ist gut auch gut genug. Es müssen nicht immer 100 Prozent sein. Und versuchen Sie immer erst eine Sache zum Ende zu bringen, bevor Sie mit der nächsten beginnen. So überfordern Sie sich nicht, sondern bewältigen genau das, was Sie können.